12.06.2009 geblogt von soso | Eulengeschichten & Wolfsgeheul
Das Perron in Lausanne füllt und füllt sich, ja quillt fast über. Alle diese Personen zusammengeflickt aus grüngekleideten RSlern, indischen Touristen, Anzugsträger mit Laptoptaschen, Studierende schweizerischen Ursprungs wie auch koreanische Austauschsstudis, Familien mit klitzekleinen bis ein bisschen grösseren UNO spielenden Kindern...Dies eine aus meinem nächsten Umfeld erstellte Analyse.
Kaum öffnen sich die Türen geht der Sprint los, jederschaut nur für sich selbst, und oft wird dabei vergessen, dass ja gelegentlich auch noch Personen im Zug sind, die gerne aussteigen würden, was dann von saftigheftigen Kommentaren begleitet wird. Ist der Weg einmal frei, gibts ein Gedränge auf höchstem Niveau, alle haben ihr Traumsitz im Kopf und ärgern sich mächtig darüber, diesen nicht zu bekommen, ja knapp zu verpassen. Ach sind wir doch Gewohnheitstiere. Puh, gar nicht einfach das Ganze. Meistens jedoch finden alle Schäfchen ein Plätzchen und mähen danach vorlaut vor sich hin. Zum Teil zusammen mit anderen, zum Teil für sich alleine. Manchmal ists auch erstaunlich, wie schnell das Sandmännchen um sich greift. Schwupps, da schnarcht der ganze Zug, und naja, Du fühlst dich ein bisschen daneben, wenn Du das, ach soo spannende Buch einfach nicht weglegen kannst, um in die Nickerchengemeinschaft einzusteigen. Jedem das Seine!
Ich beobachte über den Rand meiner Zeitung meine Sitznachbarin, welche ohne zu sehen, sich sehr zielstrebig im Abteil bewegt, und ein Maschinchen bedient, von welchem ich leider den Zweck nicht herausfinden konnte. Ich werde genötigt meinen beiden Vis-à-vis zu zu hören. Die beiden Damen in reifem Alter, aufgetackelt scheint hierfür das falsche Wort zu sein, jedoch gehts in diese Richtung, ein visuelles Erlebniss mit Regenbogencharakter auf jeden Fall. Akustisch nicht viel weniger aufregend. Ein Fotoalbum wird ausgepackt und reichlich kommentiert, während das Natel in der Tasche schrillt, eine sehr rockige Version der SwisscomOde, sie sucht und sucht, während ein Fahrgast in der Nähe mit tiefem englischen Akzent dem Ohrpartner seine Koordinaten (im Zug zwischen bla bla) durchgibt. Ich versuche meinen Ipod lauter zu stellen, doch Himmelhilf, der ist schon saulaut eingestellt. Boah, und trotzdem höre ich wie ein junger Herr im Nebenabteil am Telefon fragt, in welchem Zug die andere Person sei, er hätte sie einsteigen gesehen. Ja wir fahren gerade aus Bern heraus. Genau. Na dann sieht man sich in Zürich, ist das Fazit, ist schon ziemlich kompliziert sich in einem Zug zu finden, denk ich für mich.
Irgendwie schafft es Neil Young alle diese Hintergrundgeräusche verbleichen zu lassen, oder als unwichtig einzustufen, mein Hirn entspannt sich. Die Augen folgen dem Horizont, über Häuserreihen in Rot und Weiss, riesigen Baustellen, Brachland inzwischen zwei Siedlungen, Verlassenen Häusern, Gleisen und schliesslich erkennen sie langsam aber sicher die übergrossen, farbigen Legosteine vor dem Julius Bär Gebäude in Altstetten. Die Reise neigt sich dem Ende zu. Völlig relaxt, reihe ich mich in die riesige Schlange der Schonseitewigkeitenaufgestandenen Leutchen und gelange in watschelndem Gang hinaus auf das Perron des Zürcher Hauptbahnhofs.
Gruppen von Personen wuseln herum, und rennen auf den nächsten Zug.
Zum Glück bin ich erstmal zu Hause, auch wenn heute noch ein Besuch in Helsinki angesagt ist. Ahoi Neil!
toll! und wie waren die Young im Helsinki?
laut und deutlich ;) ne war ganz ok, ist halt immer schwierig so ne ikone zu covern..aber die hattens zum teil ziemlich drauf!!
schöne geschichte... danke soph...
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ZRH:Flug LX 188 nach Shanghai Pudong International Airport: gestartet!Make a quote yourself!
seeehr schön! ich fühle mit!