09.02.2010 geblogt von stephane_boutin | Schreiberlings Welt
Teil 2/2. Zurück zum Teil 1...
Als Sully das erste Mal im Körper seines Avatars die Augen aufschlägt, tut er das als Paraplegiker, der plötzlich seine Beine wieder gebrauchen kann. Darum begegnet er zuerst einmal einer Gruppe Basketballspieler - und einen Schritt weiter schliesslich seiner eigenen motorischen Kraft, die ihn wieder unbeschwert durch die Gegend spurten lässt. Beim zweiten Mal betritt er die Virtualität dann bereits wieder als vollwertiger Soldat, der einer Wissenschaftsexpedition Begleitschutz bietet. Also entdeckt er nun primär Bedrohungen und Gefahren, plötzlich wimmelt es in Pandora nur so von Möglichkeiten, schnell und unbarmherzig zu Tode zu kommen.
Bald allerdings ändert sich Jakes Rolle erneut. Als er mit den Na'vi Kontakt aufnimmt, wird er vom Soldaten zum Forscher, der die Eingeborenen zu studieren beginnt. Obwohl er das Vertrauen der Na'vi bezeichnenderweise genau damit gewinnt, dass er vorgibt, ein simpler Krieger und gerade kein Wissenschafter mit bereits vorgefassten Theorien zu sein. Tatsächlich aber operiert er mittlerweile unter dem militärischen Auftrag, verdeckt dieses fremde Volk zu erforschen, um ihre Schwächen kennenzulernen und für die amerikanischen Kolonialisten nutzbar zu machen.
Wie alle Doppelagenten beginnt auch Sully sich nun in seinen verschiedenen Rollen zu verstricken. Als vom Ressourcenkrieg gebeutelter Zivilisationsmensch sehnt er sich nach der heilen Welt am Busen der Natur - oder dem, was er eben dafür hält. Kein Wunder stösst er zwischen den Schwebenden Felsen von Pandora bald auf seine eigene Version der Pocahontas-Geschichte und verliebt sich in die Häuptlingstochter Neytiri, von der er sich in fortgeschrittener Naturverbundenheit schulen lässt.
Im Virtuellen kann er sich als aufrechter Amerikaner aber auch der Ungerechtigkeit seiner eigenen Landsleute bewusst werden und gegen diese Partei ergreifen – eine Möglichkeit, die er in seinem alten Körper noch erfolgreich verdrängt hatte. In der Folge schwingt er sich deshalb getreu der Phantasie jedes enttäuschten Soldaten zum Führer und Kriegsherrn der Rebellen auf, womit dann definitiv für genug Action gesorgt wäre, um den Adrenalinjunkie in ihm und in uns bei Laune zu halten.
Dass AVATAR trotzdem eher ein kybernetischer Porno als ein ökologischer Actionfilm ist, wird klar, wenn Sully sich an die Erforschung der Na’vi und ihrer so beeindruckenden Naturverbundenheit macht. Wie bereits angedeutet betreibt er seine ethnologischen Studien nicht aus rein wissenschaftlichen Motiven, sondern im Hinblick darauf, wie man die Na’vi am besten ins Reservat umsiedeln könnte, um endlich an die unter ihrem Wohnort lagernden Steinchen zu kommen. Wie alle Wissenschafter, die nicht primär um des Wissens willen forschen, sondern auf einen konkreten Nutzen, das heisst auf Beeinflussung und Kontrolle aus sind, wird auch Sully damit schnell zum Kybernetiker. Als Lehre der Steuerung und Regulation von Systemen ist Kybernetik die vielleicht praktischste Wissenschaft - im virtuellen Setting von AVATAR wird sie jetzt auch als die perverseste entlarvt.
Denn was Sully über die Lebensweise der Na'vi herauskriegt, könnte problemlos den feuchten Träumen des grössenwahnsinnigsten Weltenlenkers Konkurrenz machen. Wahrscheinlich hat das auch damit zu tun, dass ihm die Lebensweise der Na’vi ausgerechnet von der attraktiven Neytiri näher gebracht wird, so dass sich seine erotischen Phantasien (wir sprechen hier von einem querschnittgelähmten, also sexuell wahrscheinlich etwas frustrierten Soldaten) mit dem von ihr vermittelten Wissen zu vermischen beginnen.
Auf jeden Fall ist da zunächst viel von Energie und Energieströmen zu hören. Wir lernen wie die Na’vi ihre eigenen Gedanken auf andere Lebewesen oder ganze Ökosysteme übertragen und diese damit steuern können. Seien es Pferdewesen, Flugechsen, Riesenpanther oder Bäume: Auf Pandora kann man mit allem kommunizieren und alles wunschgemäss regulieren. Die Na’vi entpuppen sich als Meister der Kybernetik.
Dass uns diese Problematik fasziniert in unserem Heute, in dem die Menschheit fieberhaft darüber nachdenkt, wie man ein hyperkomplexes System wie die Atmosphäre des Planeten Erde dazu bringen kann, sich nicht über eine kritische Grenze zu erwärmen, ist nicht weiter erstaunlich. Bemerkenswert hingegen ist, wie pornographisch diese pandorianische Kybernetik in Camerons Film anmutet. Wenn der herkömmliche Porno die immer gleiche Geschichte der weiblichen Dauerverfügbarkeit und der männlichen Allpotenz erzählt, macht AVATAR daraus ein Narrativ über die universale Willigkeit der Natur, sich vom standhaften menschlichen (beziehungsweise na’vischen) Willen penetrieren und regulieren zu lassen.
Jedes Lebewesen ist hier mit einem Organ ausgestattet, in welches die Na’vi bloss ihren Zopf einzuführen brauchen, um es ihnen Untertan zu machen. Dieser kopflastige Phallus ist der Schlüssel, dem sich die Umwelt bereitwillig öffnet und hingibt. Alles auf Pandora scheint nur darauf zu warten, dass ein blauer Zweibeiner des Wegs kommt und ihm sein Ding rein steckt. Make the bond!, lautet daher auch der kategorische Imperativ der Na’vi: Stell’ die Verbindung her!
Aber es ist keine gleichberechtigte Verbindung, nie geht so eine Flugechse mal zur Abwechslung auf einem Na’vi spazieren. Die Verbindung funktioniert nur auf eine Seite, die Kontrolle haben immer die Humanoiden. Obermacker im grossen Harem von Pandora schliesslich wird der, der die schwierigste Verbindung herstellen und den bunten Toruk-Drachen besteigen kann. Dreimal dürfen wir raten, wer das wohl sein wird.
Jedenfalls schaut für Jake Sully dabei am Ende nicht nur Cybersex mit Neytiri heraus, sondern letztlich gar mit Eywa selbst, Göttin und Gesamtheit aller Lebensenergien auf Pandora. Zum Schluss nimmt sich unser Pornoheld also die Endgegnerin vor, Gaia, letzte Eroberung und grösste Verführung. Jetzt verkabelt er sich mit der Erde selbst und schliesst seine Neuronen an die grosse Mutter Natur an, in deren Schoss man kriechen muss, um sich vollends mit seinem Avatar zu vereinen.
Und weil er so ein toller Hecht und Kybernetiker ist, gelingt ihm auch diese Regulation, mit der er die Virtualitätsverhältnisse umkehrt, einmal mehr in perfekt kontrollierter Konnektivität: Als Sully danach die Augen aufschlägt, tut er es nicht mehr in einem Avatar, sondern in seinem eigenen, jetzt blauen Körper. Einmal mehr hat er der Natur seinen Willen aufgedrängt, einmal mehr hat sie es hingenommen und ihn von seinem alten, durch die Querschnittlähmung kybernetisch minderwertigen Körper erlöst.
Damit endet der letzte Videolog aus Pandora, die Verbindung bricht ab. Schon rollen die Credits und wir nehmen die 3D-Brille ab, das kybernetische Hilfsmittel, mit welchem dieser Film unser Gehirn in den letzten drei Stunden so spektakulär durchgevögelt hat, dass wir schon jetzt nicht mehr genau wissen, was wir da in der Virtualität zwischen Leinwand und Netzhaut gerade gesehen haben.
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Shangheieiei:Fotos & mehr von Fiona Daniel in Shanghai unter: http://www.facebook.com/pages/FIONA-DANIEL/10150126304400246
ZRH:Flug LX 188 nach Shanghai Pudong International Airport: gestartet!
k.ch:wünschen der ganzen lieben fiona-crew gut flug und viel spass in shanghai! wir freuen uns auf die geschichten!
Riddick Jones:Wer hätte gedacht, dass unser Guerilla Rocker Bus noch vor die überfüllte Hauptbühne passt ;) Aber üh. nice! Bilder sind übrigens hier zu finden: http://www.facebook.com/pages/Jagermeister-Guerilla-Tour/115309361823784 oder hier: www.riddick-jones.com Ein Video wird auch bald feddich sein. Soviel dazu schon bald gehts auf zu neuen Schandtaten, ihr hört von uns! Grosses Dankeschön nach mal aan das tolle und super-flexible OK und das beste Publikum östlich von Züri West! Es grüssen Riddick Jones aka die Guerilla Rocker
k.ch:begeistert vom StolzeMake a quote yourself!